„Wir haben genau das Richtige gemacht“


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Die Kniggendorf-Chefs Cathrin Kalthoff und Frederik Otto

im Gespräch, Teil 2


Das Jahr 2022 hat für Kniggendorf einige Neuerungen gebracht. Der Metallverarbeiter und Hersteller von Sicherheitssystemen hat sich neu aufgestellt und ist dadurch deutlich näher zusammengewachsen. Davon sowie der täglichen Motivation und einem eigenen Führungsstil berichten die Geschwister Cathrin Kalthoff und Frederik Otto im zweiten Teil einer sehr persönlichen Unterhaltung.


Frage: Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Euch aus?


Cathrin: Ich sage morgens erst mal allen persönlich „Guten Tag“ – und damit bin ich dann auch gleich das erste Mal in der Produktion und sehe, was funktioniert gerade und was vielleicht nicht. Damit habe ich das erste Bild und weiß, wie der Stand der Dinge ist. Zurück im Büro kümmere ich mich dann gleich um das, was zu tun ist – gegebenenfalls über die Vorarbeiter oder den Arbeitsvorbereiter . Und dann, ab halb neun, habe ich Besprechungen, zum Versand, welche Aufträge offen sind. An bestimmten Tagen folgt dann eine Produktionsbesprechung mit den Vorabeitern – was wird von wem produziert. Danach sitzen wir mit unserem Vater zusammen, sofern das passt. Und dann folgt …


Frederik: … das Tagesgeschäft.


Cathrin: Genau! Zurzeit sind etwa Preise und Lieferengpässe ein häufiges Thema. Eben die verschiedensten Themen, die das Leben gerade so bringt.


Frederik: Ich starte noch etwas früher und bin meistens zwischen sechs und halb sieben im Büro. Das mache ich ganz bewusst. Ich bin gerne früh hier, weil ich dann erst mal konzentriert und ohne Unterbrechungen in den Tag starten kann. Und ab acht oder halb neun führe ich dann viele Gespräche. Ich kümmere mich zum Beispiel um die Entwicklung der Security-Produkte und telefoniere dafür häufig mit dem Programmierer oder spreche hier mit den Kollegen in der Konstruktion.


Frage: Gehst Du auch so früh ins Büro, Cathrin?


Cathrin: Nein, nicht ganz, ich bin um halb acht in der Firma. Ich will vorher noch meine beiden Kinder aufs Fahrrad setzen. Aber ich komme trotzdem früh, auch damit ich dann am Nachmittag wieder Zeit habe, meine Kinder zu versorgen.


Frederik: Das ist auch für mich ein Grund, so früh zu beginnen: So habe ich am Nachmittag noch Zeit für meine Familie.


Frage: Überschneidet Ihr Euch eigentlich in Eurem Tagesgeschäft?


Frederik: Teilweise – wir überschneiden uns bei den Produkten, die wir gemeinsam für die Security Systeme entwickeln und fertigen.


Cathrin: Und auch bei Themen, die die Händler betreffen. Aber ansonsten arbeiten wir in der Metallverarbeitung und bei den Sicherheitssystemen an unseren jeweiligen Aufgaben. Wir müssen auch nicht jede Kleinigkeit miteinander teilen, aber es ist immer gut, wenn jeder einen Gesamtüberblick hat. Ich glaube, wir können ganz gut einschätzen, ob es im eigenen Bereich etwas gibt, was die anderen wissen sollten oder was zum Beispiel die Grundlage für eine andere Entscheidung ist. Und dafür treffen wir uns regelmäßig am Runden Tisch. Das dient einfach der Transparenz.


Frederik: So ist es!


Hundertprozentiges Vertrauen

Frage: Wie funktioniert eigentlich die Zusammenarbeit als Geschwister und Geschäftsführer? Ihr seid Euch sicher sehr vertraut - seid Ihr auch Konkurrenten?


Cathrin: Ich sehe meinen Bruder in keiner Form als Konkurrenten. Wir verstehen uns heute deutlich besser als früher. Jeder, der mehr als ein Kind hat, weiß, dass Geschwister auch ganz schöne böse miteinander sein können. Aber das hört ja im besten Fall irgendwann auf, ob sie nun zusammen arbeiten oder nicht. Kniggendorf mit Frederik zu führen, ist eine Bereicherung und sehr angenehm, weil es da einen Zweiten gibt, der genauso tickt und für den diese Firma genauso ein Lebensinhalt ist wie für mich selbst.


Frederik: Stimmt!


Cathrin: Unsere Vorfahren hatten das ja immer eher mit dem Ehepartner. Unser Vater hat unsere Mutter hier mit hereingebracht, unsere Großmutter hat umgekehrt unseren Großvater mit hereingebracht. Das haben wir beide nicht gemacht. Und daher ist es sehr schön, wenn da jemand ist, dem man zu hundert Prozent vertrauen kann. Das ist unendlich wertvoll, dass ich ganz genau weiß, selbst wenn ich mal nicht kommen kann, dann gibt es jemanden, der die Entscheidungen so trifft, wie ich sie auch treffen würde.


Frederik: Das sehe ich ganz genauso! Meine Schwester ist für mich überhaupt keine Konkurrentin – sondern eher die perfekte Ergänzung. Wir kümmern uns schon um unsere eigenen Aufgaben, aber laufen dabei immer parallel. Wir ergänzen uns wirklich sehr gut. Die eine hat da ihre Stärken, der andere dort. Dadurch macht mir die Arbeit sehr viel Freude. Ich empfinde es immer wieder so, dass wir mit der Entscheidung, die Firma zusammen zu leiten, genau das Richtige gemacht haben. Wir tauschen uns wirklich sehr viel aus, sprechen auch außerhalb der Geschäftszeiten häufig, auch am Wochenende. Es ist toll, immer dann, wenn man noch einen Gedanken hat, mal eben Rücksprache halten zu können.


Cathrin: Genau, dass der andere immer ansprechbar ist, ist sehr schön. Auch wenn einer im Urlaub ist, auch dann poppen gelegentlich Dinge auf, aber dann ist ja der andere da. Und dann gibt es immer sozusagen einen Kanal, über den man das steuern kann, das ist super.


Ein eigener Führungsstil

Frage: Unterscheidet sich Euer Führungsstil von dem vorheriger Generationen, von dem Eures Vaters?


Cathrin: Ich denke, jede Generation hat ihre Eigenarten. Unser Führungsstil ist ein anderer, ich glaube, das steht außer Frage. Es gibt – ganz unabhängig von unserem Vater – die Generation der „dominanten Herrscher“, wie ich selbst in meinen Praktika miterleben konnte. Das ist gar nicht böse gemeint, die haben sicher auch viel dazu beigetragen, dass unser Land heute da ist, wo es steht. Aber so sind wir beide nicht. Da hat es in meine Augen eine Veränderung gegeben, das macht man heute so nicht mehr.


Frederik: Denke ich auch. Anleiten mit der Brechstange nach dem Motto, „So wird das gemacht und nicht anders. Punkt.“ Das passt nicht.


Cathrin: Wir wissen, dass unser Vater sich manchmal wünscht, wir wären mehr so, aber das ist nicht unsere Art. Das haben wir eher von unserer Mutter geerbt – die war immer ganz ruhig und diplomatisch.


Verantwortung und Verbundenheit

Frage: Was motiviert Euch, jeden Tag zur Arbeit zu gehen?


Cathrin: Weiterzukommen, den nächsten Schritt zu gehen, für das Unternehmen und auch persönlich. Das kann man kaum trennen, wir sind einfach so eng mit dem Betrieb verbunden. Dafür werden dann auch mal Sachen gemacht, wo viele vielleicht ‚Nein‘ sagen würden, am Sonntag oder wann auch immer. Denn wir wollen das Unternehmen einfach voranbringen. Dann müssen und wollen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Löhne und Gehälter zahlen. Wir haben „Familienernährer“ hier. Das ist auch eine Motivation, das immer wieder zuverlässig zu erfüllen. Und natürlich auch, unsere Kunden zufriedenzustellen.


Frederik: Da schließe ich mich an. Und möchte noch ergänzen: die Freude! Wir haben tolle Mitarbeiter, das herrscht eine große Verbundenheit. Die Leute identifizieren sich ebenfalls zu hundert Prozent mit dem Unternehmen. Und das freut uns natürlich. Und motiviert mich, morgens herzukommen und mit den Mitarbeitern zu sprechen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.


Cathrin: Und wir haben auch viel Spaß bei der Arbeit. Da wird auch viel gelacht – und das muss auch so sein. Das machen wir auch mit den Mitarbeitern, und das macht es auch authentisch. Neulich bei der Inventur zum Beispiel…


Frederik: Stimmt, das ist mal eine andere Situation, nicht das Alltägliche – und da kommt man auch noch mal anders ins Gespräch mit den Leuten. Und das ist auch das Schöne, man lernt sich da noch mal anders kennen und führt andere Gespräche als im Tagesgeschäft.


Cathrin: Es gibt einfach eine große Nähe, und die ist auch wichtig. Wir haben 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und wir kennen natürlich alle persönlich, und wir kennen in vielen Fällen auch die familiären Hintergründe. Ich hoffe, bei der Unternehmensgröße ist das auch woanders normal – für uns ist es das auf jeden Fall.


In der Ruhe liegt die Kraft

Frage: Wie sorgt Ihr für Ausgleich zur Arbeit?


Cathrin: Ich treibe Sport und gehe mittlerweile viel laufen, sehr gerne morgens, von halb sechs bis sechs. Das tut mir sehr gut! Da bin ich ganz für mich und kann meine Gedanken und die Dinge, die vor mir liegen, sortieren.


Frederik: Ich mache wenig Sport… (lacht). Aber ich gehe morgens vor der Arbeit gerne mit unserem Hund raus und da ist es ähnlich: Ich kann mich sortieren und gedanklich vorbereiten. Ich gehe auch in der Mittagspause gerne mit dem Hund spazieren, wenigstens eine Viertelstunde, um einfach mal rauszukommen. Und ich spiele auch Golf, Cathrin auch. Das ist im Sommer der große Ausgleich. Da spiele ich mit einem Freund oder meinem Schwager oder mit meiner Tochter. Und meine Familie stellt natürlich auch einen Ausgleich dar!


Frage: Macht sich die sechste Generation eigentlich schon bereit?


Cathrin: Na, das hat schon noch ein bisschen Zeit, ich habe zwei Söhne, mein Bruder hat eine Tochter, der Älteste ist 14. Das heißt, ja, langsam kommen unsere Kinder in das Alter, in dem auch wir die ersten Ferienjobs in unserem Unternehmen gemacht haben. Wir wollen niemanden hier reindrängen, aber in der Tat ist das ein Thema, das bei Frederik und mir mit oben auf der Agenda steht; denn wir müssen ja auch das Unternehmen entsprechend aufstellen. Mal gucken, etwas Zeit haben wir noch – aber wir bleiben dran…


Großer Umbruch – neuer Name

Frage: Und was bringt die Zukunft sonst für Kniggendorf?


Frederik: Wir entwickeln neue Produkte, mit denen wir einen anderen Markt ansprechen wollen. Bis jetzt macht die Security ja eher Schlüsselausgabesysteme für den Außenbereich, wo wir sehr stark sind. Jetzt haben wir Produkte, die für den Innenbereich geeignet sind und die im Autohaus den Counter beziehungsweise im Hotel die Rezeption entlasten sollen. Dabei handelt es sich um Safe-Check-in-Automaten.


Cathrin: Und dann hat es gerade einen großen Umbruch gegeben, der schon 2021 angestoßen worden ist und mit dem wir nun ins neue Jahr gegangen sind: die Umfirmierung, die endgültige Übernahme von unserem Vater mit Frederik und mir als gemeinsamen Geschäftsführern beider Gesellschaften und einer neuen Holding darüber.


Frage: Könnt Ihr das genauer erklären?


Cathrin: Es gab eine Trennung der Unternehmensbereiche, die nicht mehr stimmig war. Unser Vater hatte das vor etwa 15 Jahren so konzipiert. Er hat gedacht, wenn sich meine Kinder nicht verstehen, dann kann die eine die eine Gesellschaft nehmen und der andere die andere. Und wir haben uns jetzt ganz bewusst entschieden: Nein, das wollen wir so nicht. Wir wollen das zusammen machen, und wir machen das wunderbar zusammen, wie ich finde. Und deshalb haben wir nun den Weg geebnet, damit wir genau das tun können.


Frederik: So ist es! Wir ergänzen uns, wie gesagt, ganz wunderbar. Und wir halten es für sehr wichtig, dieses „Wir“ nach außen zu tragen. Es ist zum Beispiel für den Bereich Sicherheitstechnik sinnvoll, wenn die Kunden sehen: ‚Die machen ja auch noch etwas anderes! Die bauen das selbst – und haben das nötige Know-how.‘“ Es ist ein großer Mehrwert, wenn man sich als Unternehmen zusammen nach außen präsentiert, als wenn jeder nur seinen Bereich zeigt. Und deswegen haben wir auch umfirmiert und gehen jetzt zusammen als Kniggendorf auf den Markt (und nicht mehr als Kniggendorf und Kögler – zumal Herr Kögler seit Jahrzehnten nicht mehr im Unternehmen ist.)


Cathrin: Die beiden GmbHs bleiben bestehen und es gibt eine neue Holding als gemeinsames Dach über den beiden Gesellschaften. Das ist einmal ein juristischer Akt, aber es ist auch ein symbolischer Akt, denn bisher war unser Vater in beiden Gesellschaften noch Geschäftsführer. Und nun ist er als solcher aus den beiden aktiven Gesellschaften ausgeschieden. Frederik und ich sind nun in diesen Gesellschaften gemeinsam Geschäftsführer. Und in der Holding, die wir oben drüber gesetzt haben, sind wir alle drei die Geschäftsführer. Wir sind jetzt deutlich näher zusammengewachsen. Daher das Rebranding mit neuem Logo. Und eine neue Webseite haben wir auch. Damit sind wir jetzt gut aufgestellt für eine erfolgreiche Zukunft!

Lassen Sie sich von unserer Begeisterung anstecken – wir freuen uns auf Sie! info@kniggendorf.de