Geschwister und Geschäftsführer: „Unsere Denkmuster sind ähnlich“



Die Kniggendorf-Chefs Cathrin Kalthoff und Frederik Otto im Gespräch, Teil 1


Die Geschwister Cathrin Kalthoff und Frederik Otto lenken Kniggendorf als Geschäftsführer. Sie leitet die Metallverarbeitung, er die Security Systeme – zusammen gewährleisten sie den Fortbestand und die Innovationskraft des Familienunternehmens Kniggendorf GmbH. Im ersten Teil eines persönlichen Gesprächs erzählen die beiden von ersten Handgriffen in der Fertigung, ihrem eigenen Werdegang und den Herausforderungen der Unternehmensnachfolge.

Frage: Was ist Eure erste Erinnerung an Kniggendorf?


C: Wir haben als Kinder gegenüber von der Firma gewohnt; damit fing es an. Da war ich fünf oder sechs. Unser Vater musste nur über den Hof gehen, und dann war er bei der Arbeit. Und wenn man ihn suchte, dann war er direkt gegenüber.

F: Stimmt, aus meinem Fenster konnte man genau auf die Firma gucken.


Frage: Seid Ihr schon als Kinder ab und zu rübergegangen?

F: Zwischen unserem Wohnhaus und der Firma gab es eine Art Pausenhaus. Da wurde Mittag gegessen und da gab es dann auch warme Mahlzeiten. Und manchmal haben wir da gegessen.

C: Stimmt, die waren tiefgefroren und man musste sich die Aluschalen im Ofen aufwärmen. Die waren total lecker! Aber unsere Mutter fand die nicht so toll, dass wir das täglich essen durften. (Beide lachen)

Frage: Das heißt, die Mitarbeiter kannten auch Euch beide?

C: Ja. Einige Mitarbeiter sprechen uns auch seit dieser Zeit mit dem Vornamen an. Das werden natürlich weniger, aber in diesem Jahr ist wieder ein Mitarbeiter seit 40 Jahren da. Für den bin ich immer Cathrin gewesen und davon gibt es einige.


Frage: Was wolltet Ihr als Kinder werden?

C: Als ich klein war, wollte ich Stewardess werden. Flugbegleiterin. Wir sind als Kinder nicht geflogen, da war das reizvoll, und es gab ein tolles Buch, „Renate wird Flug-Stewardess“, das habe ich fünf Mal gelesen – und ich wollte auch Stewardess werden. Aber das hielt nicht lange.

F: Ich habe mich als Kind gerne als Geschäftsmann verkleidet. (lacht) Unser Vater ist Geschäftsmann, unser Großvater war Geschäftsmann – und so war für mich schon relativ früh klar, dass da der Weg hingehen sollte.


Erstes eigenes Geld: Ferienjobs bei Kniggendorf

Frage: Und wann hast Du Dich der Firma zugewandt, Cathrin?


C: Den ersten tieferen Einblick in unsere Firma habe ich bekommen, als ich mir mit 12 oder 13 Jahren nebenbei Geld verdient habe. Da wollte ich unbedingt ein paar Sachen haben. Mein erstes Geld habe ich für eine Pop-Swatch ausgegeben. 65 Mark! (lacht) Die habe ich nicht gekriegt, sondern musste sie mir selbst verdienen. Und das habe ich hier gemacht. Und das hat sich dann fortgesetzt und dadurch habe ich das Unternehmen dann deutlich näher kennengelernt.

Frage: Was war denn der erste Job, mit dem Du das Geld für die Pop-Swatch verdient hast?

C: Wir stellen ja Einsatzkassetten her. Und es gab ein Vorgängermodell, bei dem Griffe eingeschraubt werden mussten. Und wir haben früher Spardosenschlösser gemacht – und dafür habe ich einen Punktschweißautomaten bedient. Und das „Traumschiff“, die MS Berlin, ist damals mit unseren Tresoren ausgestattet worden. Und diese Tresore mussten in kürzester Zeit fertig werden, um sie an die Werft zu liefern. Und da habe ich mitgeholfen. Solche Sachen halt.

F: Bei mir war es ähnlich. Wir hatten sechs Wochen Sommerferien. Drei Wochen waren wir immer mit unseren Eltern in Urlaub. Und die anderen drei Wochen haben wir immer hier in der Firma mitgearbeitet, um uns sozusagen das Urlaubsgeld zu verdienen und besondere Wünsche zu erfüllen, die über das Taschengeld hinausgingen. Ich fühlte mich damals schnell in die Produktion gezogen, habe auch verschiedene Praktika gemacht oder war hier mit im Werkzeugbau. Dann habe ich festgestellt, ja, das ist ganz schön und ich habe auch interessante Sachen kennengelernt, aber dann habe ich mich eher im Büro gesehen als in der Fertigung. Und ich habe gemerkt, dass ich gerne Richtung Vertrieb gehen möchte.


Frage: Also bei Euch beiden die Fertigung als Einstieg…

C: Auf jeden Fall! Es gibt immer noch Produkte, an denen habe ich selbst gearbeitet; da kann mir bis heute keiner was vormachen. Die Kassettenmontage – das weiß ich bis heute, da sitzen die Handgriffe alle. Aber auch für mich war dann die Steigerung, als ich Rechnungen nach dem Alphabet sortieren und in eine Mappe abheften durfte. Das fand ich dann noch interessanter. (lacht)


Ausbildung, Arbeitserfahrung, Auslandsaufenthalte

Frage: Wie ging es dann weiter mit dem Ende der Schule?


C: Ich bin nach der Realschule zum Wirtschaftsgymnasium gegangen, weil mir da schon klar war das ich etwas Kaufmännisches, zum Beispiel BWL studieren wollte. Da habe ich Abitur gemacht und dann habe ich an der FHDW in Hannover BWL studiert. Und in dieser Zeit habe ich dann noch verschiedene Praktika gemacht. Ich war in produzierenden Unternehmen, ich war bei der Deutschen Messe in den USA, bei einem Logistikunternehmen in Kanada, bei einem Steuerberater. Das Studium hat drei Jahre gedauert, und dann war ich fertig und bin dann Anfang 2003 auch direkt hier eingestiegen.

Frage: Sollten die Praktika Dich gezielt auf Deine spätere Tätigkeit vorbereiten?

C: Naja, ich würde sagen, das hat einfach ganz viel Lebenserfahrung gebracht. Einfach mal was anderes kennenzulernen. Ich habe auf jeden Fall aus jedem Praktikum etwas mitgenommen. Ob mich das auf das, was ich hier heute mache, vorbereitet hat, kann ich gar nicht so genau sagen. Aber auf jeden Fall hat es Lebenserfahrung gebracht, die ich sonst nicht bekommen hätte.


Frage: Wieso USA und Kanada?

C: Ich wollte mein Englisch aufbessern und die Deutsche Messe hatte eine Tochtergesellschaft in Princeton in New Jersey, und die hat regelmäßig Praktikanten genommen. Das habe ich gemacht – und das war super. Das waren auch noch andere Zeiten. Da musste die Cebit vorbereitet werden in den USA, und da war die Cebit noch ein großes Ding. Da waren Messen überhaupt noch ein richtiges Highlight. Das hat mir jedenfalls so gut gefallen in den USA, dass ich gesagt habe, ich würde gerne noch mal ins Ausland gehen. Und bin nach Kanada, nach Montreal gegangen, um mein Französisch zu vertiefen. Da war ich bei einem Logistiker, Fritz Starber. Allerdings habe ich da schnell gemerkt, dass Du dort nicht Französisch sprichst, wenn Du gut Englisch kannst. Aber es war auch schön. (lacht)


Frage: Frederik, wie war das bei Dir?

F: Ich habe nach der Schule bei Kniggendorf eine Lehre zum Bürokaufmann gemacht. Und danach habe ich dann auch verschiedene Praktika gemacht mit dem Schwerpunkt Vertrieb. Ich war bei Würth und bei Reyher Verbindungstechnik, ich war auch in der Schweiz für einen Monat. Und da bin ich mit den Vertriebsmitarbeitern rausgefahren und habe dort Erfahrungen gesammelt. Und dann habe ich bei Kniggendorf im Vertrieb angefangen. Im selben Jahr wurde die Security GmbH gegründet und hatte bald immer mehr Produkte. Ich bin dann komplett in die Security eingestiegen und habe zusammen mit einem zusätzlichen Mitarbeiter den Vertrieb aufgebaut. Und letztlich das ganze Unternehmen, zusammen mit unserem Vater und mit Cathrin.


Wer macht was bei Kniggendorf

Frage: Was waren die ersten Aufgaben bei Kniggendorf?


C: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wenn ich gefragt werde, in welchen Bereichen hast Du schon überall gearbeitet, dann denke ich, in manchen Unternehmen gibt es dafür 20 Mitarbeiter und jeder ist in einer anderen Abteilung. Es ist ja immer recht umfassend und man hat verschiedene Themen. Die Personalangelegenheiten habe ich recht schnell übernommen und den Einkauf. Viele Sachen sind ja auch Bestandteile des Studiums, auch Buchführung, und das ist in der Praxis zwar immer ein Unterschied, aber dennoch hatte ich schon eine gewisse Grundahnung. Kurzum: Es waren von Anfang an verschiedene Aufgaben.

Frage: Hast Du gleich als Juniorchefin begonnen?

C: Ich bin nicht als Geschäftsführerin eingestiegen. Geschäftsführerin bin ich neben meinem Vater erst 2005 geworden. Zuerst war ich drei Jahre angestellt.


Frage: Frederik, war das nicht auch das Jahr, in dem Du eingestiegen bist?

F: Ja, ich war zunächst bei der Kniggendorf GmbH angestellt, habe dann gewechselt zur Security, war dort erst als normaler Vertriebsmitarbeiter, habe dann Prokura bekommen und bin 2010 Geschäftsführer geworden.


Herausforderung Unternehmensnachfolge

Frage: Wie kann man sich das vorstellen: Der Vater führt den Betrieb und dann kommen die Kinder. Hat er Euch Tipps und Tricks mitgegeben? Habt Ihr Euch abends zusammengesetzt? Wie stellt man sicher, dass der Betrieb irgendwann ohne den Senior gut weiterläuft?


F: Wir haben von Anfang an sehr offen miteinander gearbeitet und auch miteinander geredet. Man hat fast nie etwas alleine entschieden, sondern immer an einer Art Rundem Tisch besprochen. Und das machen wir auch heute noch so. Wir tauschen uns noch regelmäßig aus, damit der Wissensstand immer gleich ist. Natürlich, der eine oder die andere sieht es auch mal anders oder möchte einen anderen Weg einschlagen, aber von der Art und Weise ist es so gelaufen und läuft auch immer noch so.

C: Unser Vater hat uns das Geschäft schon stückchenweise übergeben. Früher habe ich das etwas belächelt: Einer meiner Studienschwerpunkte war „Mittelständische Wirtschaft“ und da gab es den Block „Unternehmensnachfolge“. Da hieß es, eine gute Unternehmensnachfolge braucht wenigstens zehn Jahre! Das kam mir übertrieben vor. Aber ich glaube, hätte ich damals, in den ersten Jahren als Geschäftsführerin, das alles alleine machen müssen, dann hätte ich schon gesagt, da fehlt mir jetzt was. Das ist heute natürlich anders. Es gibt ja auch Unternehmensübergaben, bei denen die ältere Generation von heute auf morgen raus ist. Das stelle ich mir schon deutlich schwieriger vor. Bei uns war es eher ein allmählicher Übergang und irgendwann sind auch die Denkmuster ähnlich. Es gibt so viele Entscheidungen inzwischen, die gleich sind. Die trifft unser Vater so wie wir. Mit Ausnahmen natürlich.

F: Sehe ich auch so. Und das ist auch bei Cathrin und mir genauso. Es gibt Punkte, über die muss man gar nicht groß diskutieren, da sind wir schnell der gleichen Meinung und dann wird das auch so umgesetzt.

C: So eine Nachfolge ist auch ein schwerer Prozess. Für den Senior, loslassen zu müssen, das ist schon eine ganz schwierige Aufgabe. Und auch dieser Prozess dauert, den kann man nicht wirklich in Tagen und Wochen definieren. Und dazu kommt noch, dass Frederik und ich auch als Kinder unserem Vater gegenüber eine gewisse Verantwortung haben. Keiner möchte seinen Eltern sagen, Ihr bleibt jetzt zu Hause, und die sitzen dann den ganzen Tag nur noch vor dem Fernseher. Das wünscht sich keiner! Sie müssen auch ein Leben danach haben, eine Aufgabe.


Wertvolle Erfahrung

Frage: Ist denn Euer Vater noch im Unternehmen?


F: Ja, unser Vater ist noch mit im Unternehmen.

C: Ab dienstags ist er meistens da, für drei bis vier Stunden. Dann hat er aber auch immer mal andere Sachen zu erledigen. Und er weiß von den Geschäftsabläufen schon noch eine Menge, vielleicht nicht mehr alles. Aber er ist immer noch dabei.

F: Er ist auch noch Teil des Runden Tisches, von dem ich vorhin sprach. Und er ist auch ein guter Ratgeber. Es gibt immer wieder Situationen, in denen die Erfahrung sehr wertvoll ist. Wo unser Vater sagt, versucht es doch mal auf diese oder jene Art – und dann macht man das und merkt, ja, das klappt ganz gut. Daher ist es sehr positiv, dass wir unseren Vater im Hintergrund haben und dass wir ihn fragen können, „wie hättest Du es gemacht“ oder „was würdest Du mir empfehlen“ – das finde ich sehr schön.

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